Die Fremdenführerin (2011)

Botho Strauss

20.-28. 9. 2011, Lendloft, Graz; Theater in der Druckerei, Salzburg

Besetzung:
Die Fremdenführerin: Jula Zangger
Der Lehrer: Daniel Doujenis

Regie: Christian M. Müller

Saxophon, Querflöte: Kristina Nikolic

Uraufführung 1986, Schaubühne am Lehniner Platz
Kristine, Anfang 20, ist Fremdenführerin in Griechenland. Martin, Mitte 40, ist Lehrer und läßt sich von ihr führen. Sie gehen sofort miteinander ins Bett, und es tut beiden wohl, sie nennen es „Glück machen“. Nicht, wie man dahin gelangt, ist ihr Problem, sondern was man hinterher anfängt: miteinander und mit sich selbst. Dabei geraten sie in mythische Bezirke. Martin hat ein halbes Jahr Urlaub genommen, weil er seinen Ausstieg aus der Pädagogik erwägt. Er sucht Klarheit in Griechenland, an den Quellen der Vernunft, der Heiterkeit, der Harmonie. Statt dessen findet er Kristine. Am Ende ist diese Fremden-Verführerin ein Teil eines klassischen Griechenlands geworden, das sie am Anfang nur erklärt: Sie ist eine Nymphe, und aus dem lebfrischen Pädagogen hat sie einen erschöpften Pan gemacht. Im ersten, im touristischen Teil, hat sie einen immer betrunkenen Freund, den sie für den Lehrer nicht aufgibt. Er ist als trunkener Silen schon dort, wohin das Stück erst geht: ins außergeschichtliche Griechenland. Im zweiten, im mythischen Teil, in einer Hirtenwohnung, erbleicht diese Grotte siebenmal in grellweißem, überhellem Licht. In einem Ausnahmezustand, fern von sozialen Sorgen, sind sie ausschließlich mit ihren Gefühlen beschäftigt, analysierend, interpretierend und bis zur Erschöpfung praktizierend.