Halle der Highlung (2012)

Originalvorlage:

Sean O`Casey
Halle der Heilung
Eine aufrichtige Farce in einer Szene

9.-28.10.2012, TTZ Graz und Theo Oberzeiring (Uraufführungsfestival)

Besetzung:

Ingrid Adler: Halleluja
Lisa Hauszer: Die junge Frau, Das graue Tuch
Daniela Moser: Die alte Frau
Stella Reinhold: Der grüne Schal, Der schwarze Schal
Tobias Kerschbaumer: Jentree, Apotheker
Tomas Klimann: Doktor
Felix Krauss: Der rote Schal

Musik:
Komposition, Arrangement und Gitarre: Michael Brantner
Gesang: Daria Urdl

Stückbearbeitung, Regie: Christian M. Müller

Bühnenbau: Hannes Reiter
Lichttechnik: Joel Hartinger

 

Zum Inhalt des Originals:

Halleluja! Das ist der Name des Wächters. Grüner Schal, roter Schal, graues Tuch und schwarzer Schal, so heißen die Patienten. Es ist Winter in Dublin und der Warteraum der Gemeindeambulanz füllt sich mit Kranken. Doch der Amtsarzt ist gänzlich unempfänglich für die Belange der Hilfesuchenden. Er kuriert seinen Rausch aus. Der ihm treu ergebene Halleluja wiederum presst die letzten Pennies aus den Geldbeuteln der Armen, „zur Erretung der Seelen aus dem Fegefeuer“. Während die Seelen im Jenseits gerettet werden, siechen die Armen im Diesseits vor sich hin. „Der Tod faßt oft freundlicher an als manch eine Menschenhand“, weiß roter Schal, dessen Tochter soeben gestorben ist.

Adaptierung des Stückes durch die schaubühne GRAZ:

Geschichte der Drogensubstitution

Das Thema der Substituierung bei drogenabhängigen PatientInnen hat eine lange Geschichte, bereits im 19. Jahrhunderts war die Frage um Ersatzdrogen aktuell. Sigmund Freud versuchte beispielsweise 1884/85 einen seiner Freunde, welcher von Morphin abhängig war, mit Kokain als Ersatzdroge zu helfen. Anfang des 20. Jahrhundert wurde dann als Substitutionsmittel für Morphin Heroin verwendet. Damit war ein neues, halbsynthetisches Opiat auf dem Markt. Ab 1965 ist der Konsum von Heroin stark gestiegen, die Abhängigkeit von Heroin oder anderer Opiate wird nun zum Teil mit Methadon oder anderen Substitutionsmitteln therapiert . Lange Jahre galt die Substitutionsbehandlung Heroinabhängiger erst dann als Behandlungsalternative, wenn herkömmliche, abstinenzorientierte Verfahren versagten. Diese Einstellung änderte sich durch die Kenntnis der Durchseuchungsrate von HIV und Hepatitis C, speziell auch bei Menschen, die Drogen intravenös konsumierten. Aus diesem Grund wurde vielfach die Zahl der Behandlungsplätze gehoben und die Zugänglichkeit zur Substitutionsbehandlung erleichtert.

Ziele
Zu den allgemeinen Zielen der Substitutionstherapie gehören der Versuch der Wiederherstellung bzw. die Verbesserung der psychischen, physischen und sozialen Stabilität der Patienten. Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, Rückgänge der kriminellen Verhaltensweisen neben Minderung der Zahl der Todesfälle und chronischen Erkrankungen sind Erfolge der Substitutionsprogramme. Während klassische Verfahren wie klinische Entgiftung und stationäre Abstinenztherapie nicht einmal 10% der in Europa lebenden Drogenabhängigen erreicht, liegt die Verbreitung der Substitutionstherapie heute bei 20-28% der Heroinabhängigen, deren Gesamtzahl innerhalb Europas auf 800.000-1,06 Mio Menschen geschätzt wird. Nicht zuletzt ist die Substitutionsbehandlung auch kostengünstiger.

Substanzen
Methadon ist in vielen Ländern, auch laut Erlaß des Gesundheitsministeriums in Österreich, das Mittel erster Wahl in der Behandlung von Substitutionspatienten. In Deutschland kam es aufgrund negativer Erfahrungen zu einer vermehrten Verschreibung von Codein und in Frankreich zur Substitution mit Buprenorphin. In Österreich kommen bei Unverträglichkeit von Methadon bzw. Schwangerschaft andere Substitutionsmittel wie retardierte Morphine, Codeine oder Buprenorphin zu Anwendung.

Heroinabgabe
Eine Substituierung mit der Originalsubstanz Heroin gibt es in England; in der Schweiz wurde die kontrollierte Abgabe von Heroin aufgrund der hohen Erfolgsquote bereits per Volksabstimmung aus dem Versuchsstadium geholt; in Deutschland gibt es zur Zeit Versuchsstädte, in denen die Heroinabgabe erfolgt.

Indikation
Die Aufnahme in das Behandlungsprogramm ist medizinisch begründet, wenn
eine mehr als einjährige Opiatabhängigkeit vorliegt
gescheiterte Entzugsbehandlungen nachgewiesen werden können
eine Opiatabhängigkeit bei gleichzeitiger HIV-Infektion besteht
eine Schwangerschaft bei einer Opiatabhängigen vorliegt
er/sie eine Ehe- oder Lebensgemeinschaft mit einer substituierten Person führt.

Substitutionsprogramm
In Österreich wird die Durchführung von Drogensubstitutions- und Entzugstherapien durch mehrere Gesetze, Verordnungen und Erlässe geregelt. Das Suchtmittelgesetz und die Suchtgiftverordnung regeln den generellen Umgang und die Verwendung von suchtmittelhältigen Arzneimitteln. Im Substitutionserlass werden die Modalitäten einer Substitutionsbehandlung festgehalten.

Seit rund 20 Jahren gibt es in Österreich die Substitutionstherapie (oder Drogenersatztherapie bzw. Erhaltungstherapie) als Alternative zur Entzugsbehandlung.
Eine Substitutionstherapie wird nur durchgeführt, wenn es sich um eine Opiatabhängigkeit handelt.
Bei Jugendlichen oder KlientInnen mit einer sehr kurzen Drogenkarriere wird in der Regel keine Substitutionsbehandlung, sondern eine Reduktionsbehandlung durchgeführt. Neben Methadon steht retardiertes Morphin (z.B. Substitol, Kapanol, Compensan) und Buprenorphin (Subutex) als Ersatzmittel in der Substitutionstherapie zur Verfügung.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um die Drogensubstitution zu erhalten:
Wenn der Klient/die KlientIn erstmals in die Behandlung kommt, erfolgt eine Bestandsaufnahme. Die Dauer des Drogenkonsums und das soziale Umfeld werden analysiert. Oft wird festgestellt, dass kein Abbruch des Drogenkonsums möglich ist (z.B. bei einer langen Drogenkarriere von mehr als zwei bis drei Jahren oder wenn der Klient/die Klientin bereits mehrere kalte Entzüge hinter sich hat). Nachdem eine Krisenintervention erfolgt ist und der Klient/die Klientin soweit stabilisiert wurde, werden gemeinsame Ziele vereinbart. Anschließend wird eine Harnuntersuchung durchgeführt und das Substitutionsmittel ausgewählt. Nach der Auswahl erfolgt die Einstellung auf das Substitutionsmittel im Rahmen eines Dosisfindungsverfahrens (in dieser Zeit wird ein Einzelrezept ausgestellt). Es folgt die Entscheidung, ob und um wie viel die Dosis reduziert werden kann. Während der Therapie müssen regelmäßige Harnkontrollen durchgeführt werden – dies dient auch zur Überprüfung der Verlässlichkeit des Klienten/der Klientin.

„Sonstige Fakten“ zur Drogensubstitution

In Österreich gelten ca. 30.000 (junge) Menschen als opiatabhängig.
Ungefähr 12.000 davon werden im sogenannten Substitutionprogramm behandelt, das heißt, mit opioidhältigen Medikamenten versorgt. Der Rest spritzt Heroin bzw. missbräuchlich verwendete und illegal erworbene Substitutionsmittel.

Österreich ist neben Slowenien und Bulgarien das einzige Land (!), das zur Drogensubstitution unter anderem das Präparat Substitol der Firma Mundipharma verwendet.
Die Besonderheit dieses Mittels ist, dass es in Kapsel-Form auf dem Markt ist (wofür es keinen medizinischen oder technischen Grund gibt) und daher bestens für die missbräuchliche Verwendung geeignet ist.
Der Drogenbericht spricht von bis zu 100 Substitol-Toten pro Jahr durch intravenösen Gebrauch von Substitol!

Die Zahl der opiatabhängigen Menschen in Österreich ist in den letzten 5 – 10 Jahren explodiert.
Einer der Hauptgründe dafür ist das Substitutionsprogramm.
Ursprünglich gedacht als Möglichkeit, Menschen vom illegalen Heroin-Konsum wegzubekommen hin zu einer kontrollierten und kontrollierbaren Suchtbekämpfung, hat dieses Programm bis jetzt einzig und allein eines erreicht: die Gewinnverlagerung von den illegalen Drogenhändlern hin zu den legalen Pharmafirmen.
Mit dem Preis, dass – wie gesagt – die Zahl der opiatabhängigen Menschen vervielfacht wurde.
Verlässlichen (ärztlichen) Quellen zufolge liegt die Zahl derer, die vor dem Einstieg ins Substitutionsprogramm gar nie heroinabhängig waren, bei 50 – 80 %!

Ein weiteres Problem der Substitution ist die teilweise völlige Überdosierung der Medikamente. Behandlungen mit bis zu 1200mg Substitol oder Compensan pro Tag sind in keinem Fall medizinisch argumentierbar und dienen einzig und allein dem Schwarzhandel mit diesen Substanzen/Medikamenten.
Gar nicht eingenommen oder wieder ausgekotzt werden die Medikamente zu einem Preis von ca. 30.-/Kapsel angeboten.